Skip to content

Placebo hilft gegen Aggressionen

Aggressive Verhaltensstörungen bei Demenzkranken oder bei Menschen mit geistigen Behinderungen werden nicht selten mit Neuroleptika behandelt. Risperidon und Haloperidol scheinen dabei ganz gut zu wirken - noch besser aber wirkt Placebo. Das ist jedenfalls das Ergebnis einer aktuellen Studie. Möglicherweise ist die Verhaltensänderung darauf zurückzuführen, dass den Probanden im Rahmen der Studie vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt wurde. Ausserdem seien die Studienteilnehmer "nicht unbedingt schwere Problemfälle" gewesen.

Neuroleptika wirkungslos gegen Aggressionen. Dt. Ärzteblatt 4.1.2007

Risiken antipsychotischer Behandlung bei älteren Menschen

US-amerikanische Psychiater prüften im Rahmen einer retrospektiven Kohortenstudie (22 890 Patienten), ob sich die Mortalitätsrisiken älterer Patienten bei Therapie mit konventionellen und atypischen Antipsychotika unterscheiden.

Die Behandlung mit konventionellen Antipsychotika geht im Vergleich zu atypischen Antipsychotika mit einer höheren Sterbewahrscheinlichkeit älterer Menschen einher

Unter Berücksichtigung weiterer Einflussfaktoren wurden die Mortalitätsraten in den beiden Gruppen ausgewertet und das Sterblichkeitsrisiko für verschiedene Zeiträume verglichen.

In den ersten 180 Behandlungstagen starben 17,9% der Patienten unter konventionellen und 14,6% unter atypischen Antipsychotika (p < 0,001). Erstere gingen in allen untersuchten Therapiezeiträumen mit einem signifikant höheren adjustierten Sterblichkeitsrisiko einher als die Therapie mit atypischen Antipsychotika.

Der größte Risikoanstieg erfolgte dabei kurz nach Behandlungsbeginn und bei höheren Dosen der konventionellen Antipsychotika. Unter 100 mit konventionellen statt mit atypischen Antipsychotika behandelten Patienten kam es zu durchschnittlich sieben zusätzlichen Sterbefällen.

Nach diesen Ergebnissen geht die Behandlung mit konventionellen Antipsychotika im Vergleich zu atypischen Antipsychotika mit einer höheren Sterbewahrscheinlichkeit älterer Menschen einher. Sie ist somit zumindest unter den Atypika als Gruppe nicht größer, so die Autoren. Sollten sich diese Resultate in weiteren Untersuchungen bestätigen, erscheint eine Empfehlung nicht sinnvoll, ältere Patienten von atypischen auf konventionelle Antipsychotika umzustellen.

:: Wang PS et al.: Risk of death in elderly users of conventional vs. atypical antipsychotic medications.
NEnglJMed 353(2005) 2335-2341

Nebenwirkungen moderner Neuroleptika

Atypische Neuroleptika können körperliche Nebenwirkungen verursachen. Eine aktuelle Untersuchung gibt einen Überblick über relevante metabolische, endokrinologische, hämatologische und kardiovaskuläre Wirkungen.

Trotz erheblicher Unterschiede in den Nebenwirkungsprofilen, können insbesondere die metabolischen Risiken derzeit noch nicht abschließend beurteilt werden. Ein Routine-Monitoring wird vorgeschlagen.

Agelink, M et al: Allgemeinmedizinische Aspekte der Therapie mit Antipsychotika der zweiten Generation
Deutsches Ärzteblatt 103, Ausgabe 42 vom 20.10.2006, Seite A-2802

Neuroleptika, Prolaktin und Osteoporose

Das gehäufte Auftreten von Osteoporose bei schizophren Erkrankten könnte auf die Erhöhung des Serum-Prolaktinspiegels durch einige Neuroleptika zurückzuführen sein. In Großbritannien wurde dazu eine Untersuchung veröffentlicht.

Bei 55 Patienten, die seit mehr als 10 Jahren Medikamente mit Prolaktin-erhöhender Wirkung erhalten hatten, wurde die Knochendichte gemessen. Gleichzeitig wurden der Prolaktinspiegel und die Geschlechtshormone bestimmt. Mit dem Alter zunehmende Minderungen der Knochendichte fanden sich bei 17 (57%) der männlichen und bei 8 (32%) der weiblichen Patienten. Höhere Dosierungen der Medikamente waren mit höheren Prolaktinspiegeln und mit geringerer Knochendichte verbunden, bei Männern verringerte sich der Testosteronspiegel mit steigender Medikamentendosis. Die Autoren folgern daraus, daß schizophren Erkrankte, die langfristig Prolaktin-erhöhende Medikamente nehmen, ein erhöhtes Osteoporose-Risiko haben.

Meaney AM, et al: Effects of long-term prolactin-raising antipsychotic medication on bone mineral density in patients with schizophrenia.
Br J Psychiatry. 2004 Jun;184(6):503-508
Abstract

Atypische Neuroleptika in Schwangerschaft und Stillzeit

Eine italienische Übersichtsarbeit untersucht die seit 1993 verfügbare Literatur zur Frage, ob atypische Neuroleptika in Schwangerschaft und Stillzeit sicher sind. Teilweise liegen noch keine verlässlichen Daten vor.

Olanzapin und Clozapin erhöhen offensichtlich während der Schwangerschaft das Risiko von Mißbildungen nicht.

Dem gegenüber ist das Wissen über Quetiapin, Risperidon, Aripiprazol und Ziprasidon begrenzt.

Unerwünschte, ernste Auswirkungen auf Mutter und Kind sind bei der Anwendung von Atypika nicht auszuschließen. In mehreren Studien wird angenommen, dass die Anwendung von Atypika während der Schwangerschaft ein erhöhtes Diabetesrisiko mit sich bringt.

Langzeitwirkungen auf die neuronale Entwicklung Neugeborener nach Medikamenteneinwirkung über Plazenta und Muttermilch sind lediglich in sporadischen Fallberichten dokumentiert.

Die möglichen Auswirkungen einer unbehandelten psychotischen Episode können schwerwiegend sein, Suzidversuche der Mutter und/oder Kindstod können die Folge sein. Daher müssen die Risiken der Medikamenteneinnahme für das Ungeborene und das Neugeborene gegen die Risiken für Mutter und Kind, bei unbehandelter Erkrankung, abgewogen werden.

Letztlich haben Atypika gegenüber typischen Neuroleptika keinen eindeutigen Sicherheitsvorteil während Schwangerschaft und Stillzeit.

Die Autoren empfehlen, drei Gesichtspunkte zu berücksichtigen:

1. Nutzen und Risiken für das Kind sollten bei Medikamenteneinnahme während Schwangerschaft und Stillzeit sorgfältig abgewogen werden.

2. Der Schweregrad der mütterlichen Erkrankung soll berücksichtigt werden

3. Es sollten Medikamente mit ausgewogenem Verhältnis zwischen Nutzen und Risiken ausgewählt werden.

Gentile S.: Klinischer Gebrauch atypischer Neuroleptika in Schwangerschaft und Stillzeit. Ann Pharmacother. 2004 May 18