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Eine Anfrage an meine Repräsentanten im Bundestag zum Gesetz zur GKV-Beitragssatzstabilisierung

Sehr geehrte Herren,

ich wende ich mich an Sie, als meine Repräsentanten im Bundestag. Vorweg: ich beneide Sie nicht um Ihre Aufgabe, in der jetzigen, schwierigen Zeit weitreichende Entscheidungen treffen zu müssen.

Ich muss allerdings gestehen, dass mich die Performance der Regierungskoalition zunehmend irritiert und ratlos bis verärgert zurücklässt. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass die handelnden Akteure entweder völlig ahnungslos sind, wider besseres Wissen handeln oder bewusst beabsichtigen, den sozialen Frieden zu erschüttern.

Ich will mich auf Bereiche beschränken, in die ich - nach 30 Jahren ambulanter psychiatrischer Arbeit und berufspolitischen Engagements - ausreichend Einblick habe.

In den vergangenen 30 Jahren war trotz angestrengter Bemühungen keine Beitragssatzstabilisierung möglich, obwohl es doch schon 1996 ein erstes Beitragsentlastungsgesetz gab. Waren alle politischen Entscheiderinnen in der Zwischenzeit inkompetent? Oder gehört implizite Rationierung zu einem langfristigen, parteipolitisch übergreifenden Ordnungsprinzip?

Nehmen Sie mal die Änderungen bei der Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung. Faktisch hat die E-AU zu einer vollständigen Erfassung geführt, ohne dass sich die Krankheitslast verändert hätte. Jetzt erwecken Sie den Eindruck, der arbeitenden Bevölkerung wider besseres Wissen grundlegend zu misstrauen. Sie verkomplizieren die Abläufe, statt sie zu optimieren. Im Ergebnis werden Sie längere AU-Zeiten bekommen und gleichzeitig den sozialen Frieden empfindlich stören.

Apropos längere AU-Zeiten, unter rein fiskalischen Gesichtspunkten: psychische Erkrankungen führen zu den längsten und teuersten Produktivitätsverlusten und ziehen erhebliche Folgekosten in der Sozialversicherung nach sich. Ihre Lösung? Sie kürzen das psychiatrisch-psychotherapeutische Angebot um etwa 30 Prozent. Ihr Ergebnis: die Einsparungen hier erzeugen dort etwa viermal so hohe Folgekosten. Das ist volkswirtschaftlich kontraproduktiv, um nicht zu sagen: dumm.

Ich hätte noch zahlreiche andere Einfälle dazu, aber ich will Ihre und meine Geduld und Zeit nicht überstrapazieren.

Es interessiert mich aber, wie Sie sich mit Ihrer Entscheidung, für das Gesetz zu stimmen, fühlen. Sind Sie überzeugt, das Richtige getan zu haben? Fühlten Sie sich zum Zeitpunkt der Abstimmung gut informiert? Durch wen? Konnten Sie die Folgen Ihrer Handlung hinreichend abschätzen?

Über eine Antwort würde ich mich freuen. Es eilt nicht. Die nächste Gesundheitsreform kommt ganz sicher.

Ach so: bitte setzen Sie sich doch zügig für die verfassungsgemäße Prüfung eines möglichen Verbots der gesichert rechtsextremen AfD - Leute, die Merz ein Attentat wünschen und Merkel „an die Wand“ stellen wollen - ein.

Mit freundlichen Grüßen

Zum Abbau der ambulanten psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung

Ich verstehe ja, dass die gesetzliche Krankenversicherung aus verschiedenen Gründen in finanziellen Schwierigkeiten steckt: alternde Gesellschaft, versicherungsfremde Leistungen, medizinischer Fortschritt, Tarifsteigerungen...

Die aktuellen Pläne zum faktischen Abbau der ambulanten, psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung lassen mir aber die wenigen, verbliebenen Haare zu Berge stehen. Wie dumm kann man eigentlich sein?

4,5 Prozent weniger Vergütung für ambulante Psychotherapie - das hat der Erweiterte Bewertungsausschuss beschlossen.

Weniger Geld für ambulante Psychotherapie. zdfheute 13.3.2026

Für alle psychotherapeutischen Leistungen wurden 2023 rund 4,6 Mrd. Euro aufgewendet – 1,5% der GKV-Gesamtausgaben von 306 Mrd. Euro und knapp zehn Prozent der Kosten der ambulanten Versorgung.

FAKTENCHECK Psychotherapie-Honorarpolitik: Was die Zahlen wirklich sagen und für die Gesellschaft bedeuten. DBVT-BV Mai 2026 (pdf)

2023 entfielen 12,9% (63,3 Milliarden Euro) der Krankheitskosten auf Krankheiten psychische und Verhaltensstörungen.

Kreislauferkrankungen sowie psychische und Verhaltensstörungen verursachen zusammen 26,0 % der Krankheitskosten im Jahr 2023. destatis Pressemitteilung Nr. 293 vom 8. August 2025

Die Honorarkürzung spart den Krankenkassen rund 120 Millionen Euro brutto, 90 Millionen Euro netto für 2026. Dem stehen Folgekosten in einem Vielfachen dieser Höhe gegenüber — durch stationäre Verlagerung, Krankengeld, Chronifizierung und Frühverrentung, Schulabbrüche oder familiäre Krisen.

WENN KÜRZEN TEUER WIRD: Warum die Psychotherapie in Deutschland aufgewertet werden sollte. psychowatchdog 2.6.2026

Das Vorhaben ist kontraproduktiv, sinnbefreit, und es führt nur zu Umbuchungen im Gesamthaushalt. Seit 30 Jahren wünsche ich mir Fachkompetenz in unserer Gesundheitspolitik, aber es kommen immer nur pseudoplanwirtschaftliche Fehlentscheidungen, deren Folgen auf PatientInnen, ÄrztInnen und TherapeutInnen abgewälzt werden. So wird das nichts mit dem sozialen Frieden.

Update:

Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg setzte mit rechtskräftigem Beschluss vom 9. Juli 2026 die sofortige Vollziehung eines Beschlusses des Erweiterten Bewertungsausschusses aus (Aktenzeichen L 7 KA 11/26 KL ER). Es bestünden erhebliche rechtliche Bedenken gegen die Methodik der Vergleichsrechnung und ein besonderes Vollziehungsinteresse sei auch sonst nicht erkennbar.

Psychotherapeutenvergütung: Kassenärztliche Bundesvereinigung gewinnt Eilverfahren. Recht und Politik 9.7.2026

Update 20260601

Denken Sie immer noch, Ihre Krankheitsdaten seien sicher?

Eine Organisation, die Rezepte gesetzlich versicherter Patientinnen und Patienten auf Wirtschaftlichkeit prüft, berichtet von einem Hackerangriff:

Nach Angaben des Vereins könnten personenbezogene und besonders sensible Daten betroffen sein. Dazu zählen möglicherweise Kontakt- und Gesundheitsdaten sowie Abrechnungsinformationen von gesetzlich Krankenversicherten.

Rezeptprüfer im Visier. Pharmazeutische Zeitung 18.5.2026

Bei einem Angriff von Cyberkriminellen auf den Abrechnungsdienstleister Unimed sind tausende Patientendaten gestohlen worden.

Cyberangriff: Mindestens sechs Kliniken in Niedersachsen betroffen. NDR 28.5.2026

Betrifft zwar nicht die Telematik-Infrastruktur und die "Gesundheitskarte", aber was nicht ist, kann ja noch werden.


Die AOK informiert: Künstliche Intelligenz (KI) und insbesondere KI-Agenten, können die Medizin revolutionieren.

Das kann revolutionär teuer werden:

Das Management sehe sich mit der Herausforderung konfrontiert, die Ausgaben für rechenintensive KI-Prozesse gegenüber dem tatsächlichen Mehrwert zu rechtfertigen.

Tech-Konzerne begrenzen Budget für KI-Tools. Golem.de 28.5.2026


Dass Krankenkassen erlaubt werden soll, Diagnosen, Medikation und sogar Inhalte der elektronischen Patientenakten auszuwerten, ohne dass die behandelnden Ärztinnen und Ärzte einbezogen werden, bedeutet einen tiefgreifenden Paradigmenwechsel.

Geplante Zugriffsrechte der Krankenkassen auf die ePA bringen Ärzte in Wallung. Ärztezeitung 13.5.2026


Erneut verzerrt der GKV-Spitzenverband (GKV-SV) mit unwürdigen Interpretationen die Realität ambulanter psychotherapeutischer Versorgung. Es scheint den Krankenkassen einzig darum zu gehen, die Psychotherapeut*innen und ihre Anliegen öffentlich zu beschädigen.

Kassen sorgen mit unwürdigen Zahlenspielen für Aufsehen. DPTV 20.5.2026


Soulfood: Alien Sex Fiend: E.S.T. (Trip to the Moon)

Die ganze Playlist: Soulfood@youtube

Kleiner Rant zum 1. Mai

Falls es demnächst noch schwieriger wird, Termine bei psychiatrischen Fachärztinnen / Psychotherapeutinnen zu bekommen: wenden Sie sich an die aktuelle Gesundheitsministerin, Frau Warken (CDU).

Mit dem GKV-Beitragssatzstabilisierungsgesetz soll die Vergütung ärztlicher und psychotherapeutischer Leistungen um 2,41 Milliarden Euro (5%) gekürzt werden. Gestrichen werden sollen insbesondere die Finanzierung für die schnelle Terminvergabe, die offene Sprechstunde und die psychotherapeutische Kurzzeitbehandlung.

Der Honorarumsatz in Euro je Arzt/PT, Psychiatrie, betrug von 2018 bis 2023 zwischen 45.000 und 50.000 Euro. Dafür wurden in Nordrhein durchschnittlich 600 Menschen behandelt.

Honorarumsätze nach Fachgruppe und Region. KBV 13.1.2026

Das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung hat abgeschätzt, wie sich die Streichung auf das GKV-Honorar im Jahr 2027 voraussichtlich auswirken wird. Psychiatrische Praxen verlieren demnach 15.500 Euro.

Das wären dann 30% weniger Honorar und damit sind nur noch 420 statt 600 Behandlungen finanzierbar. Sämtliche Anreize für eine schnelle Terminvergabe sind weg. Clevere Idee, Frau Warken.


Soulfood: Angine de Poitrine - Fabienk

Die ganze Playlist: Soulfood@youtube

Update 20260423

Hat etwas gedauert mit dem Update. Wir waren zwischendurch mal ein paar Tage weg, u.a. zur Richter-Ausstellung in Paris mit anschließendem Abendessen - sehr empfehlenswert! Später dann Volendam, da haben wir bestimmt drei Kilo zugenommen.

Ansonsten ist auf der Welt leider wenig Erfreuliches passiert...


Menschen mit seelischen Erkrankungen werden pauschal zu potenziellen Sicherheitsrisiken erklärt.

NRW plant strengeren Umgang mit potenziell gefährlichen psychisch Erkrankten. WDR 11.3.2026


Probleme mit Facharztterminen? Oder gar bei der Suche nach Psychotherapieterminen? Die kranken Kassen helfen gern:

Heute hat der Bewertungsausschuss auf Betreiben des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenkassen (GKV-SV) die Vergütung der ambulanten Psychotherapie um 4,5 Prozent abgewertet zum 01.04.26.

GKV-SV streicht Mittel für die psychotherapeutische Versorgung. DPtV 11.3.2026

Das macht es so richtig attraktiv, mehr Psychotherapie anzubieten. /sarkasmus off


Passend dazu:

Wer psychisch krank ist und Hilfe benötigt, könnte sie künftig seltener bekommen – und teurer bezahlen müssen.

Merz-Regierung plant Kürzungen in psychiatrischen Kliniken: Experten warnen vor einer „fatalen Entscheidung“. Frankfurter Rundschau 10.4.2026


Oder das hier:

Individuelle Rechtsansprüche auf Schulbegleitung sollen gestrichen, das Wunsch- und Wahlrecht von Menschen mit Behinderungen eingeschränkt, die Nachbetreuung junger Erwachsener aus der Jugendhilfe abgeschafft, der Unterhaltsvorschuss für Alleinerziehende zusammengestrichen werden. Manche Vorschläge widersprechen offen der UN-Behindertenrechtskonvention und der UN-Kinderrechtskonvention.

Paritätischer enthüllt internes Arbeitspapier: Drastische Kürzungspläne gefährden Leistungen für Menschen mit Behinderungen, Kinder und Familien. Der Paritätische 16.4.2026


Und zum (vorläufigen) Abschluss:

Johannes Winkel, Chef der Jungen Union und CDU-Bundestagsabgeordneter, fordert für Bürgergeld-Empfänger eine drastisch reduzierte Gesundheitsversorgung. Konkret will Winkel einen neuen „Gesundheitstarif“, der nur noch bei akuten Notfällen greift – also quantitativ und qualitativ deutlich geringer ausfällt als die reguläre Versorgung gesetzlich Versicherter.

Schock für Bürgergeld-Empfänger: CDU will Gesundheitsversorgung kürzen. Bürgergeld 22.4.2026


Was folgt daraus?

Nur noch 15 Prozent der Deutschen sind zufrieden mit der Bundesregierung. Die stärksten Einbußen erfährt Bundeskanzler Friedrich Merz: 21 Prozent sind mit seiner Arbeit zufrieden - acht Prozentpunkte weniger als im März.

So unzufrieden mit Schwarz-Rot wie noch nie. Tagesschau 1.4.2026


Vielleicht sollte sich der Bundeskanzler mal respektvoll an seine eigenen Worte erinnern:

Wenn ein Bundeskanzler mit einer so niedrigen Zustimmungsrate keinerlei Anzeichen gibt, an seiner Kommunikation, seiner Politik, seinem Führungsstil etwas zu ändern, dann lässt er die Bevölkerung allein mit allen Problemen. Das ist einfach respektlos.

Friedrich Merz (CDU) am 15.1.2024 (Vorsicht - Link führt zu X)


The Invisible Guest Theory posits that in social gatherings such as parties, dinners, or meetings, individuals are predominantly preoccupied with their own internal thoughts, insecurities, and self-perceptions, rendering them largely unaware of others around them.

Invisible Guest Theory via Grokipedia


Depression is most helpfully understood as the psychic equivalent of fever. Fever is a NON-SPECIFIC physiological response to an enormous range of underlying conditions, from the common cold to Ebola. Likewise, depression is a NON-SPECIFIC psychological response to an enormous range of underlying causes which may be psychological, social, biological, or a complex interaction between them.

Jonathan Shedler am 19.4.2026 (Vorsicht - Link führt zu X)


PROFESSOR JOHN MEARSHEIMER: Wir haben immer gelernt, dass man mit den Vereinigten Staaten nur gut umgehen kann, indem man nett und unterwürfig ist. Das mag mal gestimmt haben, aber ich glaube nicht, dass das bei Präsident Trump noch gilt. Und ich bin überrascht, dass [die Europäer] das noch nicht begriffen haben. Ich glaube, der spanische Präsident hat das begriffen. Präsident Trump ist in vielerlei Hinsicht ein klassischer Tyrann. Die Vereinigten Staaten sind ein Land, das tyrannisch ist und es schon lange war. Aber Präsident Trump ist ein Tyrann im klassischen Sinne. Und der einzige Weg, mit einem Tyrannen umzugehen, ist, ihm die Stirn zu bieten.


One paper’s acknowledgements thank “Professor Maria Bohm at The Starfleet Academy for her kindness and generosity in contributing with her knowledge and her lab onboard the USS Enterprise”. Both papers say they were funded by “the Professor Sideshow Bob Foundation for its work in advanced trickery.

Bixonimania doesn’t exist except in a clutch of obviously bogus academic papers. So why did AI chatbots warn people about this fictional illness? nature 7.4.2026

KI-Chatbots fielen auf eine erfundene Krankheit herein. golem.de 11.4.2026


Soulfood: Genesis - The Lamb Lies Down on Broadway Live 1974/5 Movie

Die ganze Playlist: Soulfood@youtube