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Diese Psychose wird Ihnen präsentiert von Ihrem Gesundheitsministerium!

Protest gegen Überwachungspläne: Big Brother in der Psychiatrie? - Politik - DerWesten

„Unmenschlich” und „entwürdigend”, klagt der Landesverband Psychiatrie-Erfahrener NRW. Die FDP-Landtagsfraktion fordert die sofortige Rücknahme des Erlasses aus dem Haus von NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU), der Videoüberwachung „insbesondere in geschlossenen psychiatrischen Stationen” für zulässig erklärt. „Überwachungskameras haben in Psychiatrischen Kliniken nichts zu suchen”, sagte der FDP-Gesundheitsexperte Stefan Romberg der WAZ. „Menschen in psychiatrischen Krisen brauchen die Klinik als Schutzraum, daher dürfen dort ihre Persönlichkeitsrechte nicht durch Überwachungskameras angegriffen werden.”

Sorry, Herr Laumann. Aber Menschen, die schon zuhause die krankheitsbedingte Vorstellung entwickeln, man beobachte sie mit technischem Gerät aller Art, jetzt in den psychiatrischen Kliniken tatsächlich mit realen Kameras zu Leibe zu rücken und die eigenen Allmachtsphantasien hemmungslos auszuleben - das grenzt fast an Folter.

Es gab mal Zeiten, da musste eine Sitzwache neben das Bett eines gefesselten Patienten. Jetzt, da ihnen langsam das Fachpersonal knapp wird, sollen es Kameras sein? Mit denen kann man nicht reden.

Aber vielleicht sehen Sie das anders. Sie sollen ja häufiger mit Kameras reden...

Von Geiselnehmern und Denunzianten

Westdeutsche Zeitung - Honorar-Chaos: Aufruhr unter Ärzten

Rolf Rosenbrock vom Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung kritisiert, dass viele Ärzte ihre Patienten „in Geiselhaft“ nähmen: "Insgesamt haben die Ärzte noch immer nicht begriffen, dass ein Berufsgruppe, die im Schnitt 100 000 Euro verdient, nicht derart laut schreien sollte."

Ich schreie gleich noch lauter, Rosenbrock. Ich bin es wirklich Leid, als „Geiselnehmer“ bezeichnet zu werden, nur, weil ich von meinen Grundrechten Gebrauch mache. Behandeln Sie andere Berufsgruppen, die für ihre Rechte demonstrieren, auch so unfair?

Die dilettantische Gesundheitspolitik führt immerhin dazu, dass in der ambulanten Patientenversorgung 500.000 Arbeitsplätze, meist Frauenarbeitsplätze, gefährdet sind. Während für andere, deutlich kleinere Branchen fleißig Rettungspakete geschnürt werden, lenken GesundheitspolitikerInnen und selbsternannte GesundheitsexpertInnen von ihrem eigenen Versagen ab.

Dabei waren es Bundes- und Landesministerien, die direkten Einfluss auf die Verhandlungen zwischen Ärzten und Krankenkassen genommen haben, und die dafür gesorgt haben, dass der Wert ärztlicher Arbeit zum Jahresanfang mal eben um 30% abgesenkt wurde.

Als Psychiater soll ich nun immer mehr PatientInnen in immer kürzerer Zeit abfertigen, für eine monatliche „Flatrate“ von rund 15 Euro. Sie können sich vorstellen, dass darunter die Qualität leidet, wenn ich immer weniger Zeit für meine PatientInnen habe. Und ab April soll ich dann nur noch 13 Euro bekommen. Das ist leider kein Witz, und ich kann auch nicht darüber lachen.

Wer hier von „Geiselnahme“ spricht, sollte sich vergegenwärtigen, dass derzeit die Politik ein ganzes Volk als Geisel nimmt, um ein sozialtechnisches Experiment mit völlig ungewissem Ausgang durchzuführen. Wenn das, was sich zurzeit abzeichnet, Wirklichkeit wird, dann werden Sie sich nicht mehr über „streikende“ Ärzte ärgern müssen. Dann werden Sie händeringend Ärzte suchen müssen.

Denn diese Politik macht krank.

Wo bleibt das Geld der Versicherten? Na, hier:

Krankenkassen: Beiträge steigen, Chefs kassieren - manager-magazin.de

Einige gesetzliche Krankenkassen haben ihren Chefs im vergangenen Jahr trotz gestiegener Beiträge üppige Gehaltserhöhungen gezahlt. Den größten Aufschlag kassierte TK-Chef Norbert Klusen: Sein Festgehalt stieg auf über 245.000 Euro, außerdem kassierte Klusen für die IKK-Direkt-Übernahme eine Prämie von 50.000 Euro.

Ich kann es nicht. Wählt mich ab! (4)

Horst Seehofer will den von ihm selbst mitbeschlossenen Gesundheitsfonds wieder abschaffen. Mit kosmetischen Änderungen sei "nichts mehr zu machen", da sei jetzt eine rote Linie überschritten:

"Unser Gesundheitssystem ist intransparent und leistungsfeindlich geworden. Wir brauchen einen klaren Schnitt und eine Neubesinnung".

Letztes Jahr klang Horst noch so:

"Die Berufskritiker des Fonds sollten sich aber überlegen, wie sie im Bundestagswahlkampf 2009 argumentieren wollen, wenn sie 2008 die Abschaffung des Fonds forderten und dann, wenn der Fonds 2009 doch gekommen ist, dem Wähler erklären müssen, warum er so gut ist."

Horst findet Intransparenz und Leistungsfeindlichkeit der von ihm selbst mitkonstruierten Gesundheitskosmetik gut. Wie will er das dem Wähler im Bundestagswahlkampf 2009 erklären?

Gar nicht!

Wenigstens das ist eine eindeutige Aussage. Tschüss Horst!

Neulich im MVZ (4)

Dr. Stein und das Regelschankleistungsvolumen

Dr. Frank Stein hatte mitten in der ZK-MVZ-Spezialspätsprechstunde für gesunde Pubertierende einen Anruf seines Freundes Wilfried erhalten. Der war damals in die Fußstapfen der Eltern getreten und hatte das gut eingeführte Restaurant „Wilder Ochse“ im bürgerlichen Stadtteil Entenhagen übernommen. Jahrelang war es gut gelaufen. Nun aber hatte Wilfried ernste Probleme und er brauchte den Rat seines Freundes. Also sass Stein nun in der blitzsauberen Restaurantküche, wo ihm ein Glas Wein und ein Teller seiner Lieblingsspaghetti serviert wurde.

Der Gastwirt Wilfried Bacchus war verzweifelt. Seit das Bundesernährungsministerium das Modell der sozialen Gerechtigkeit für alle Gastwirtschaftsbetriebe verbindlich gemacht hatte, war nichts mehr wie zuvor. Fünfzehn Prozent des Einkommens wurden jedem Bürger jetzt monatlich von der Ernährungsagentur in den Gastrofond einbehalten. Dafür bekam er ein Plastikkärtchen, die Gastrocard, mit der er das Restaurant aufsuchen durfte. Damit konnte er, so oft er wollte, aus der Speisekarte bestellen.

Das wusste Stein, so ein Kärtchen hatte er auch bekommen. Aber Bacchus hatte Neuigkeiten: jedem Gastwirt war kürzlich ein sogenanntes Regelschankleistungsvolumen (RLV) zugeteilt worden, das – unabhängig von der Zahl der Gäste – den Höchstumsatz begrenzte, der von der Ernährungsagentur gezahlt wurde. Dabei wurde das RLV immer aus der Gästezahl des Vorjahresmonats errechnet. Auf der Speisekarte gab es keine Preise mehr, dafür hatte jeder Wirt ein kompliziertes 200 seitiges Regelwerk in der Küche liegen, den sogenannten Einheitlichen Bewirtungsmaßstab (EBM). Darin war festgelegt, dass ein Schnitzel inklusive Beilagen mit einem Euro und ein grosses Bier mit fünfzig Cent vergütet wird (aber nur, wenn es frisch gezapft war und vom Wirt persönlich an den Tisch gebracht wurde). Nach dem zwölfwöchigen Lehrgang „Asiatische Küche“ konnte er das RLV um 50 Cent pro Gast und Vierteljahr erweitern, musste dafür aber immer ein Sushi-Buffet bereithalten.

Die Tabelle plausibler Koch-und Zapfzeiten, die über dem Herd hing, begegnete dem unzulässigen gleichzeitigen Benutzen von mehreren Herdplatten oder Zapfhähnen. In jede Frikadelle und in jede zweite Currywurst musste ausserdem die lebenslange Wirtnummer (LWNR) und die Betriebsstättennummer (BSNR) eingebrannt werden. Auch waren Fortbildungen zur preiswerten Kundensättigung vorgeschrieben, 250 Fortbildungsgabeln mussten in fünf Jahren nachgewiesen werden.

Der Wirt seufzte, Stein schaute verlegen in Richtung des Schildes „Planerfüllung ist unser Stolz“ und wich so dem Blick des Freundes aus. Er stopfte sich noch eine Gabel Spaghetti in den Mund und trank einen grossen Schluck Wein.

Bacchus blickte besorgt auf die nagelneue, edelstahlblinkende und sündhaft teure Friteuse. Er hatte gehofft, durch privat verkaufte Pommes frites sein karges Einkommen aufbessern zu können, erzählte er, und hatte der Bank in zähen Verhandlungen einen weiteren Kredit abgerungen. Jetzt hatte die Ernährungsagentur Pommes frites für 30 Cent pro Portion in den EBM aufgenommen und der Wirt durfte sie nicht mehr privat verkaufen. Schlimmer noch: er musste einen zweitägigen Qualitäts-Frittierlehrgang absolvieren, um die Friteuse überhaupt noch benutzen zu dürfen. Nun dokumentierte ein Farblaserdrucker die Friteusentemperatur minutenaktuell.

Stein warf einen Blick auf den mattschwarzen Schwipson-Drucker, der gerade unter leisem Pfeifen ein buntbedrucktes Blatt ausspuckte, dabei registrierte er auch die winzige Webcam, die auf den chromblitzenden Herd gerichtet war.

Hinter vorgehaltener Hand würde in Gastronomenkreisen vom Schicksal des Gastwirtes Arno Räuberspiess gesprochen, erzählte Bacchus weiter: er hätte – kurz vor dem Konkurs stehend – nur noch Käsebrötchen und stilles Wasser auf der Karte gehabt. Gleichzeitig hätte er gegen Bezahlung Rumpsteak, Riesengarnelen in Knoblauch und Maltwhisky angeboten. Die Agentur war sofort eingeschritten und hatte ihm die Lizenz entzogen. Nun ging das Gerücht um, Räuberspiess verkaufe heimlich Bratwurst am Baggersee, den Grill habe er in einem Kinderwagen versteckt. Er plane, in Hanoi einen Schnellimbiss mit deutschen Wurstspezialitäten zu eröffnen, falls er eine Ausreiseerlaubnis erhält.

Auch andere Gastronomen kämpften um die Existenz, berichtete Bacchus. Viele ganz normale Restaurants hatten die Öffnungszeiten auf zwei Stunden täglich begrenzt und boten nur noch ein liebloses Billigbuffet an. Andere hatten kurz entschlossen die Hälfte der Tische aus dem Gastraum entfernt. Bei besonders spezialisierten Betrieben wie dem Fischrestaurant „Seequalle“ und dem Nordkoreaner „Schadhaftes Lächeln“ musste man inzwischen ein halbes Jahr vorbestellen. Der Schwarzhandel mit Tischreservierungen blühte, besonders vor den Feiertagen. Andere hätten einfach aufgegeben und ihre Lizenzen an den Grossversorger „Kentucky quält Chicken“ zu Schleuderpreisen verkauft.

Ob er, Stein, sich so etwas vorstellen könne und was für einen Rat er als Akademiker und guter Freund habe?

Dr. Stein blickte verlegen auf den hochglanzpolierten Kachelboden. Soviel Verzweiflung, so ein ungerechtes System. In welche Machenschaften war sein Freund da hineingeraten? Diese ganzen Skurrilitäten waren ihm bisher gar nicht bekannt, allerdings ging er auch nie in Restaurants, sondern liess sich gelegentlich von einer Versorgungskette eines dieser standardisierten Menüs gegen Vorlage der Gastrocard nach Hause liefern, so wie es vom Ernährungsministerium empfohlen wurde. Aus dem Prospekt, der jedes Mal mitgeliefert wurde, lächelten ihn immer glückliche Hühner, zufriedene Köche und wohlgenährte Kunden an. Als MVZ-Mitarbeiter erhielt er auch noch Punkte auf die Knautschlandcard gutgeschrieben, denn sein Arbeitgeber, die Zentralkrankenkasse, gehörte wie „Kentucky quält Chicken“ dem international operierenden Konzern „United health and food company“.

Er wusste nicht, was er seinem Freund Bacchus raten sollte. Solche Zustände waren ja in der Medizin gar nicht denkbar, niemals würden solche Zustände im Gesundheitswesen geduldet.

Stein griff nach der Flasche auf der Spüle, die mit dem Emblem der Ernährungsagentur verziert war (Weizenähre mit Sichel gekreuzt), und schenkte sich noch ein Glas „Pelzzüngiger Blauschädel“ ein…

(Mit freundlicher Genehmigung von Dr. med. C. Scholber)